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Sondengeherin unterschlug Funde

Landeskriminalamt Oberösterreich

Das Landeskriminalamt Ober√∂sterreich, Sachgebiet Kunst- und Kulturgutdelikte, f√ľhrt seit Juni 2023 gemeinsam mit dem Bundesdenkmalamt und dem Bundeskriminalamt Ermittlungen gegen eine 53-J√§hrige aus dem Bezirk Braunau.
Das Bundesdenkmalamt erstattete dem Bundeskriminalamt die Anzeige gegen eine vorerst unbekannten Person, die mit Metallsuchger√§ten nach arch√§ologischen Gegenst√§nden suche, Ausgrabungen durchf√ľhre und dies im Internet poste. Schlie√ülich wurde das Landeskriminalamt Ober√∂sterreich mit den Ermittlungen beauftragt.
Bei einer Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten der Beschuldigten wurde eine Vielzahl an Ausgrabungsgegenständen aus verschiedenen Zeitepochen gefunden und sichergestellt.
Die weiteren Ermittlungen ergaben, dass die 53-J√§hrige die Grundst√ľcksbesitzer meist nicht fragte, ob sie Sondensuchg√§nge und Ausgrabungen auf deren Grundst√ľcken oder W√§ldern durchf√ľhren d√ľrfe, wodurch sie ihnen den ihnen zustehenden H√§lfteanteil unterschlug. Ebenso unterlie√ü sie es nach Funden eine entsprechende Fundmeldung bei den zust√§ndigen Beh√∂rden zu machen. Sie wird mehrfach angezeigt.

Vorsicht beim Suchen nach „Sch√§tzen“!
Mit dem Metalldetektor durch Wald und Flur zu ziehen und darauf loszugraben, kann mit Anzeigen und Strafen enden!
Unter illegalen Ausgrabungen bzw. Raubgrabungen versteht man Ausgrabungen von arch√§ologischen Gegenst√§nden, die ohne Genehmigung durchgef√ľhrt werden. Im Boden und auch unter Wasser k√∂nnen sich √úberreste der Vergangenheit befinden, zum Beispiel antike M√ľnzen, Scherben von Gef√§√üen, Waffenteile, Fibeln, √Ėllampen, usw. Diese Gegenst√§nde sind zum Verstehen geschichtlicher Abl√§ufe f√ľr die Wissenschaft, etwa f√ľr die Arch√§ologie oder die Ur- und Fr√ľhgeschichte sehr wichtig, allerdings nur dann, wenn sie sich noch am Fundort befinden und von Arch√§ologinnen und Arch√§ologen fachgerecht ausgegraben und wissenschaftlich bearbeitet werden. Bei illegalen Ausgrabungen wird nicht nur der Grundeigent√ľmer gesch√§digt, es geht auch Wissen ohne diesen sogenannten Kontext verloren.
In √Ėsterreich sind arch√§ologische Funde nach ¬ß 8 Denkmalschutzgesetz (DMSG) sofort dem Bundesdenkmalamt (oder z.B. der Polizei) anzuzeigen. Zu beachten ist auch, dass das Eigentum an Funden zwischen dem Finder und dem Grundeigent√ľmer geteilt werden muss (¬ß¬ß 398-400 ABGB).
Problematisch scheint die Tatsache, dass das √∂sterreichische Strafgesetzbuch keinen eigenen Straftatbestand f√ľr die illegale Ausgrabung vorsieht. In vielen anderen europ√§ischen L√§ndern drohen Freiheitsstrafen, in Italien beispielsweise bis zu acht Jahre! Es ist zu hoffen, dass durch die Ratifikation der sogenannten Nicosia-Konvention des Europarates, eine Konvention zum strafrechtlichen Schutz von Kulturgut, hier Abhilfe geschaffen wird.
Der Ankauf von arch√§ologischen Gegenst√§nden sollte gut √ľberlegt werden. Es ist bekannt, dass illegale Ausgrabungen oft Kriegs- oder Krisengebiete betreffen, zum Beispiel Syrien, Irak, Libyen oder √Ągypten. Die gepl√ľnderten Kulturg√ľter werden anschlie√üend gereinigt, mit einer seri√∂sen Provenienz versehen und am Kunstmarkt verkauft. Nicht selten stecken kriminelle Organisationen dahinter. Viel Illegales wird auch bei Onlineauktionen oder auf Onlineplattformen verkauft. Aus diesem Grund sollten der „Roten Liste“ des Museumsrates (ICOM) oder der „Checkliste f√ľr den sicheren Erwerb von Kulturgut“ besondere Bedeutung zugemessen werden.

https://bundeskriminalamt.at/202/Eigentum_schuetzen/files/231121_Checkliste_Kulturgut_Multilingual_A5_BF.pdf

https://www.coe.int/en/web/culture-and-heritage/cultural-property

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